Pitch, Tempo und Key Lock: wie sich die Tonart beim Tempowechsel verschiebt
Änderst du das Tempo eines Tracks mit dem Pitch-Fader und Key Lock ist aus, ändert sich auch die Tonart. So können zwei harmonisch passende Tracks plötzlich kollidieren, oder zwei unpassende zusammenfinden. Die Rechnung ist einfach, aber man muss sie kennen.
Stand: Oktober 2026
01Die 6-%-Regel
Am Plattenspieler oder an einem Player ohne Key Lock beschleunigt mehr Pitch das Audio und macht es im gleichen Verhältnis höher. Ein Halbton entspricht etwa 5,95 % Geschwindigkeitsänderung; in der Praxis merkt man sich 6 %.
- +6 % ≈ ein Halbton höher → 7 Schritte vor auf dem Rad (8A → 3A)
- −6 % ≈ ein Halbton tiefer → 7 Schritte zurück auf dem Rad (8A → 1A)
- +12 % ≈ zwei Halbtöne höher → 2 Schritte vor auf dem Rad (8A → 10A)
Werte dazwischen (z. B. 3 %) legen den Klang zwischen zwei Tonarten: Der Track klingt verstimmt und passt zu keiner Tonart genau. Rechne es sofort mit dem Pitch-Tonart-Rechner aus.
02Was Key Lock (Master Tempo) macht
Mit Key Lock hält der Player die Tonhöhe fest, während er das Tempo ändert. Der Track wird schneller, seine Tonart bleibt gleich. Dafür wird das Audio in Echtzeit zeitlich gedehnt (Time-Stretching).
Der Preis ist Qualität: Bei kleinen Änderungen (±3–4 %) ist der Unterschied kaum hörbar, bei großen können Vocals metallisch und Drum-Attacks weich klingen. Als Regel: Bei großem Tempounterschied Key Lock an, aber Tracks so wählen, dass der Unterschied klein bleibt.
03Wann aus, wann an?
- An: beim harmonischen Mixen und wenn du das Tempo um mehr als ein paar Prozent änderst. Die getaggte Tonart bleibt gültig.
- Aus: wenn du das Vinyl-Gefühl willst oder die Tempoänderung winzig ist (±1–2 %; die Tonart verschiebt sich höchstens um ein Drittel Halbton, was die meisten nicht hören).
- Gezielt: Key Lock aus und Pitch um genau 6 % hoch verschiebt einen Track um einen Halbton nach oben. So bringst du einen unpassenden Track in eine passende Tonart.
04Halbes und doppeltes Tempo
Ein Hip-Hop-Track mit 70 BPM liegt auf demselben Raster wie ein Dubstep-Track mit 140 BPM: Jeder Schlag des einen sind zwei des anderen. Auch Software erkennt manchmal halbes oder doppeltes Tempo. Wirkt das BPM eines Tracks seltsam, prüf das Doppelte oder die Hälfte; mit dem Tap-Tempo auf der BPM-Seite kannst du selbst zählen.
05Von BPM zu Millisekunden
Um Delay und Hall zum Track passend einzustellen, brauchst du die Schlaglänge: 60.000 ÷ BPM ist ein Schlag in Millisekunden. Bei 128 BPM dauert ein Schlag 468,75 ms, ein halber 234,4 ms. Die BPM-Seite hat eine Tabelle für alle Notenwerte.
06Ein praktischer Ablauf
- Analysiere deine Tracks und schreib Tonart und BPM in die Tags (Tonart- und BPM-Finder).
- Gruppiere das Set nach Tempobereichen; innerhalb einer Gruppe bleiben die Tonarten mit Key Lock gültig.
- Brauchst du zwischen Gruppen einen großen Temposprung, schalte Key Lock aus und prüf im Rechner, wohin der Pitch die Tonart schiebt.